Das Doppeldate

SpieleabendFotolia_19950412_SWie konnte mir das nur passieren, ausgerechnet mir? Jemandem der sonst alles plant und besser organisiert ist als der Menozyklus einer Frau. Ja, es ist mir das passiert, was man sonst nur aus zweitklassigen Liebeskomödien kennt – ein Doppeldate. Also zwei Dates mit zwei Typen, in einer Location am selben Abend. Ihre Namen Julianus, 26 Jahre jung, kurzes blondes Haar, sportliche Figur, kurz ein Surfertyp und Andreas, 31 Jahre, braunes Haar, Polizist, breitschultrig, ein echter Bulle. Ich stellte es fest, als ich das zweite Date in der Tasche hatte und keinem von beiden absagen wollte. Puuuh! Also biss ich in den sauren Apfel mit dem Gedanken, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Ich möchte an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, auch wenn es absolut irre klingt, der Abend ist wirklich passiert. Ich starte also in den Katakomben der Stadt, einem Club der „gayfriendly“ ist, um 23.00 Uhr mit meinem ersten Date – Jules. Der „andere“ ist ja erst eine Stunde später auf dem Plan.

Männer sind Schweine

Nach dem üblichen Smalltalk und einigen Nettigkeiten ist dann auch schon die Stunde rum und ich kann mich dank der großzügigen Räumlichkeiten und den vielen Menschen zum Date zwei Andreas machen. Gleiche Prozedur, ein wenig Blabla, etwas Rumgefummle an der breiten Brust und dann zurück zum ersten. Dem muss ich jetzt schon erklären wo ich war. „Ich habe einen alten Kumpel getroffen“, möchte ich Julianus weismachen. Zwar plump, aber er hat es geschluckt. Zurück zum Bullen, der schon mit einem Drink wartet. Auch ihm schmettere ich die „Kumpelantwort“ entgegen. So langsam wird es stressig, denn immer muss ich mich irgendwo im Raum verstecken und kann mich um keinen der beiden richtig kümmern. Egal, Micha Du schaffst das! Und so geht das nun hin und her. Doch irgendwann fordert die Natur ihren Tribut und ich stehe auf dem stillen Örtchen, erfreue mich zur linken Seite an Andreas und zwei „Becken“ weiter an Jules. Dabei tue ich so, als würde ich beide nicht kennen und lasse allem freien Lauf. Ich summe die Melodie von „Männer sind Schweine“.

Wieso immer ich?

Doch plötzlich vernehme ich einen Dialog zwischen den beiden, der mir das Ende meines guten Laufes signalisiert, denn sie scheinen sich zu kennen. Der Cop fragt Jules in der Verhörtaktik: „Na, mit wem bist du denn hier?“ Die Antwort, voller Stolz: „Mit Micha“ und schaut mich dabei an. Ich lächle. Durch die Gegenfrage kommt heraus, dass wieder ich die Begleitung bin. Wieder werde ich verdutzt angeguckt – blöd. Ich lächele immer noch. Andreas hat durch seine gute Kombinationsgabe direkt erkannt, dass ich wohl zweigleisig fahre und wendet sich mit einem abwertenden Blick von mir ab. Blondie Jules rafft es nicht und fragt auch noch“ Hä, das verstehe ich nicht?“ Ich erkläre Ihm, dass wir die ganze Sache jetzt mal sein lassen und bedanke mich für den schönen Abend. Ich trinke noch schnell mein Bier aus und gehe alleine nach Hause. Beide habe ich seit dem weder gehört noch gesehen. Aber was rege ich mich auf, es hat nicht sollen sein und so kann ich mich auf die Dinge besinnen, die anstehen – auf die wunderschöne Weihnachtszeit.

Ich wünsche Euch allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins 2012. Bleibt mir und Eurem Club gewogen! Bis nächstes Jahr.

Euer Micha

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