Die Macht des Bildes

Ich bin etwas genervt. Bilder, Bilder, Bilder. Egal wo man hinsieht, gibt es Schnappschüsse, Momentaufnahmen und gestellte Bilder und niemand ist im Selbstporträtieren so gut wie schwule Männer. Lächelnd vor dem Auto, auf Skiern in den Alpen oder mal halbnackt am Pool. Es gibt sogar eine App, mit der Man(n) sich auf die Vougé „zaubern“ kann. Und ich gebe zu, dass ich selbst auch mal auf der Zeitschrift abgelichtet war. Der neueste Trend hingegen sind Spiegelbilder. Ihr wisst sicher, was ich meine. In Short oder mit Handtuch um die Hüften gebunden, mit freiem Oberkörper vor einem Spiegel von sich ein Bild machen. Das Ganze nicht mehr mit einer Kamera, sondern mit dem Handy. Das Gesicht halb verdeckt, denn die Handymarke muss ja noch zu erkennen sein. Krönen kann man die ganze Sache noch, wenn man sich in einer Sportumkleide ablichtet. Aber weshalb machen wir so einen Quatsch?

Die inneren Werte

Mir wurde immer gesagt, dass die inneren Werte eines Menschen zählen. Der Charakter soll ja ganz wichtig sein und Tugenden wie Treue, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit wurden früher ganz groß geschrieben. Aber ich bitte euch! Wie will man Treue in einem Bild darstellen, geschweige denn Ehrlichkeit oder ähnliches. Ich kann schon verstehen, wenn man sich durch ein Bild mit Sixpack, weißen Zähne und breitem Grinsen oder sogar mit seinem besten Stück, anpreist. Man sagt ja nicht ohne Grund, das männliche Auge ist besser ausgeprägt als das Gehirn. Auch ich ertappe mich häufig, wenn ich auf so plumpe Äußerlichkeiten wie ein Sixpack oder dicke Oberarme reinfalle. Und wenn das jetzt alle so machen, lasse ich diesen Trend nicht spurlos über mich hinweggehen.

Reingefallen

Ich mache also ein Spiegelbild von mir. Ich stehe in der Short eines fremden Mannes, irgendwas mit „Klein“, und meinem neuen weißen Handy vor dem Spiegel, natürlich klitschnass. Die Tropfen perlen wie bei der Duschbad-Werbung an mir ab. Dann drücke ich ab! Sofort wird mein Foto in allen wichtigen Kontaktcommunities hochgeladen und das Warten beginnt. Ich warte und warte und warte. Nichts! Doch dann passiert es, endlich eine Nachricht: „Schickes Handy – neu?“. Bitte was? Ich bin empört. Da habe ich mich monatelang ins Sportstudio gequält und werde wegen meines Handys angequatscht. Das ist mir zu doof! Bei dieser einen Nachricht zu meinem Smartphone bleibt es dann auch nicht. Ich ignoriere sie alle, bevor ich wieder zu meinem alten Vougé-Bild wechsele. Da hat mich wenigstens niemand genervt.

Und wie seht Ihr vor dem Spiegel aus? Schickt mir Eure Schnappschüsse per E-Mail an micha@boysnbeats.de oder postet Sie auf unsere Facebook-Seite!

Euer Micha!

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