Männer und ihre Hammer

drillerAb und an kribbelt es in mir und die pure Männlichkeit will heraus. Nein, mir sprießen dann nicht wie verrückt Brusthaare, sondern ich werde zum Heimwerker – zumindest denke ich es von mir. Zu schwierig darf es dann auch nicht sein. Nichts ist schlimmer als talentfreies Rumgehämmere. Schwedische Möbel bauen sich ja fast von allein auf. Die restlichen 75 Prozent der Zeit werden dann mit Duftkerzen aufstellen und Blumen drapieren verbracht.

Mein letztes Projekt erfüllt mich mit unheimlichem Stolz. Für gelernte Latzhosenträger und Elektro-Freaks ein Klacks, für mich ein Großprojekt und bisheriges Highlight 2015: ich habe eine Deckenlampe angebracht – funktionstüchtig. Jaja, ich kann das Gelächter schon hören. Wer mich kennt, weiß wie schwer es für mich ist. Ehrlich gesagt, ist die Idee vom Heimwerken bei mir immer ziemlich schnell verflogen. Mir fehlt einfach die Geduld. Macht es beispielsweise im Baumarkt noch Spaß die Wandfarbe auszusuchen, bin ich zu Hause schon vom Abkleben genervt. Entweder werde ich dann durch meine fleißigen Helfer motiviert oder die Wandfarbe steht monatelange im Keller. Wird es dann doch durchgezogen, ist das Ergebnis durch die bescheinigte Talentfreiheit dementsprechend stümperhaft. Ich glaube kein Bild an meinen Wänden ist zu 100 Prozent gerade und keine Farbkante ist so wie man es erwartet.

Aber egal. Zurück zur Deckenlampe. Ich gehe also zielstrebig zum Sicherungskasten und lege den Schalter um. Okay, ich gebe zu: nicht den einen Richtigen, sondern gleich alle. Sicher ist sicher. Gut, dass Mr. Right mir irgendwann mal für den Fall der Fälle erklärt hat, wie ich Strom und Wasser abstelle. Glücklicherweise hat der Vormieter auch den Dübel (Achtung: Fachbegriff) in der Decke gelassen. Den Haken schnell eingeschraubt und die Lampe inkl. Glühbirne eingehangen.

Klischee erfüllt?!

Klischee vom nichtskönnenden Homo-Hausmännchen sowas von nicht erfüllt. STRIKE! Das wars! Fast. Dass ich nach dem Technikkrams die über 100 Einzel-Fake-Glitzer-Diamanten-Anhänger an die Lampe bauen musste und ich als Ergebnis einen Kronleuchter, neben dem selbst Harald Glööckler erblassen würde, im Wohnzimmer habe, erfüllt dann doch wieder das Klischee. Aber warum auch nicht?! Mein Kollege war irgendwie auch beruhigt, als er das Bild von der neuesten Errungenschaft am nächsten Tag gesehen hat. Wahrscheinlich hat ihm das nach meinen Erzählungen Angst gemacht: der schwule Kollege ist richtig geschickt beim Heimwerken und kann mehr als nur meckern, dass sich die Farbe des Anzugs mit der Innenausstattung des Dienstwagens beißt. Ja genau das wird es sein. Gut, dass er nie die wahren Ausmaße meines Talents Zuhause sehen wird.

Ich habe da noch so ein „Talent“: schief singen ohne dass ich es merke. Vielleicht lasse ich euch Mittwoch bei einer Karaoke-Party im „Boys ’n Beats“ teilhaben. Wir sehen uns!

Euer Frank

Dieser Beitrag wurde unter Kolumne veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.