Späte Reue...
Zweite Chance?
Was für ein Andrang. Was für eine Party. Kaum habe
ich das BOYS´n´BEATS betreten, da weiß ich schon,
dass es die richtige Entscheidung war, herzukommen. Zur CSD-Start-Up-Party
kommen offenbar alle wieder aus ihren Löchern gekrochen.
Leute, die seit sie ihren Partner haben, schwerer zu erreichen
sind und lange Verschollene trauen sich mal wieder aufs Partkett,
welches für mich wöchentliche Spielwiese ist.
Ich bin kein Kummerkasten
Kaum habe ich mir im Gedränge einen Platz mit guter Übersicht
ergattert, fällt mir schon ein echt süßer Tänzer
ins Auge. Nach einem unabsichtlich aussehendem Rempler, komme
ich, selbstverständlich mit Entschuldigungssekt, ziemlich
schnell mit ihm ins Gespräch. Eine angeregte Unterhaltung
und einige Drinks später finde ich mich mit ihm draußen
wieder. Während ich mich schon auf der Siegerstraße
sehe, beginnt er plötzlich von seinem Verflossenen zu reden.
Das ist mir zu viel und natürlich völlig am Ziel vorbei.
Ich bin ja schließlich nicht hier, um als Kummerkasten für
depressive Jungs herzuhalten. Mit einer Ausrede verdrücke
ich mich wieder nach drinnen, wo schon das nächste Drama
auf mich wartet. Kaum bin ich wieder in der Menge abgetaucht,
erklingt dieses eine Lied, das ich nun überhaupt nicht hören
wollte. Das Lied, bei dem Steven und ich uns geküsst haben.
Der Fluch der Erinnerungen
An Steven hab ich seit meinem uncharmanten Rauswurf noch so manches
Mal gedacht und ich weiß, dass er hier ist. Und nun, wo
dieses Lied läuft, sind die Gedanken an ihn plötzlich
wieder da. Die Gedanken an den Kuss, den unglaublichen Sex und
wie ich ihn anschließend habe gehen lassen. Warum nur ausgerechnet
jetzt? Ich suche die Menge nach Steven ab und muss entsetzt feststellen,
dass er eng umschlungen mit einem Typen tanzt. Ich wende enttäuscht
den Blick ab und starre in mein leeres Glas. In der Hoffnung,
die trüben Gedanken fortspülen zu können, winke
ich den Kellner heran, der trotz der Massen für Nachschub
sorgt.
Graut der oder dem Morgen?
Frühmorgens, so gegen 14 Uhr, schlage ich die Augen auf.
Während sich mein Kopf anfühlt, als wäre ein Zug
durchgefahren, merke ich, dass ich nicht allein im Bett liege...
Wie konnte denn das passieren? Ich kann mich doch gar nicht daran
erinnern, jemanden mitgenommen zu haben. Daran, wie ich eigentlich
nach Hause gekommen bin, kann ich mich allerdings auch nicht erinnern.
Wer oder was liegt da nur neben mir? - Langsam drehe ich mich
um und schaue in Stevens strahlend-blaue Augen. Damit hatte ich
nun gar nicht gerechnet. Während mein Herz einen kleinen
Hüpfer macht, hüpft Steven nur aus dem Bett und bevor
ich irgendwas sagen kann, ist er angezogen und mit einem "Ich
muss dann mal." zur Tür hinaus verschwunden.
Ich weiß zwar nicht, was das für ein Spiel sein soll,
aber eines wird mir beim Herunterspülen der Kopfschmerztablette
klar: Zwischen ihm und mir ist offenbar doch noch nicht alles
aus. Er ist am nächsten Wochenende bestimmt wieder im BOYS´n´BEATS
und dann nutze ich meine Chance.
Euer Andi