Schwule Schubladen

oder eher ein Wandschrank?!

Also es ist schon manchmal erstaunlich, wie schnell man in eine Schublade gesteckt wird. Die schwulen Klischees holen einen immer wieder ein, egal wie heterosexuell man auf den ersten Blick wirkt. Wenn jemand erfährt, dass ich schwul bin, höre ich förmlich das Herausziehen der Schublade, in die er mich gleich stecken wird.

Nichts gegen einen Fußballer

Ein Kollege, in dessen schwuler Schublade ich bereits gelandet bin, bereichert unseren Arbeitstag ab und an mit so geistreichen Aussagen wie: „Du schaust doch bestimmt eher romantische Filme. Ich schaue ja eher Horrorfilme.“ oder „Weißt Du wie das Spiel gestern ausgegangen ist? – Ach quatsch, Dich brauche ich ja nicht zu fragen.“ oder „Bist Du eher der Mann oder die Frau in der Beziehung?“. Um an dieser Stelle kein falsches Bild aufkommen zu lassen: Ich liebe Horrorfilme, wenn sie gut gemacht sind. Aber, da hat er recht, ich hasse Fußball. Wiederum hätte ich gegen einen Fußballer nichts einzuwenden. Was die letzte Frage angeht, habe ich sie schon des Öfteren gehört, aber nie so recht verstanden. Meinte er, ob ich eher aktiv oder passiv im Bett bin? Oder wer bei uns bügelt und die Wäsche wäscht? Dabei ist die Frage schon unsinnig in sich. Schließlich bedeutet es schwul zu sein, einen Mann zu begehren und zu lieben. Wenn einer davon eine Frau wär, wäre der andere ja nicht mehr schwul, oder?

Idioten, Verrückte und Schlampen

Aber ja, ich gebe es zu: Auch ich denke in Schubladen. Aber dennoch mit viel mehr Spielraum. Meine Schubladen beschränken sich nicht auf eine kleine Kommode, wie bei anderen Menschen. Bei mir ist das eher ein begehbarer Wandschrank. Nun ja, Schubladen bleiben Schubladen. Aber warum auch nicht? Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch und ich liebe es, wenn alles aufgeräumt ist.  Mit Menschen ist es nicht anders. Ist es nicht einfach herrlich, wenn man sie akkurat falten und in eine Schublade legen kann, wie ein Shirt?! Also mir persönlich erleichtert das mein Leben ungemein. Ich muss nicht für jeden Menschen, den ich kennenlerne, eine neue Kartei anlegen. Ich sortiere sie einfach in meinen großen Wandschrank – links die Menschen die ich mag, rechts die Leute die ich nicht leiden kann und in der Mitte die Herrschaften, mit denen ich trotz Aversionen freundlichen Umgang pflegen muss. Alle drei Seiten sind dann noch einmal in verschiedene Schubladen unterteilt. Die rechte Seite beispielsweise in Abgehobene, Idioten, Verrückte, Schlampen und so weiter.

Schubladen auffüllen

Ärgerlich finde ich es dann aber manchmal, wenn ich mir selbst eingestehen muss, mich geirrt zu haben. Dann muss ich umsortieren und das bringt mein System immer völlig durcheinander. Aber was sein muss, muss sein. Es geht ja nun nicht an, dass ein azurblaues Oberteil zwischen den Freizeithosen liegt. Aber apropos azurblaues Oberteil – ich glaube das ziehe ich an. Es ist mal wieder Zeit meine Schubladen aufzufüllen, am Wochenende im BOYS´n`BEATS. Wir sehen uns dort!

Euer Andi

Dieser Beitrag wurde unter Kolumne veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Dein Kommentar