Sex ist alles

Aber kein Sex ist auch mal schön

Mensch, das ist echt nicht einfach mit diesem Steven. Eigentlich war es ja nur ein One-Night-Stand, nach dem ich froh war Steven wieder los zu sein. Doch dann kam diese Unsicherheit und die zweite wilde Nacht folgte. Und jetzt? Jetzt weiß ich gar nicht mehr was ich von ihm will. Und das Dilemma nimmt kein Ende.

Die dritte Nacht

Eigentlich hasse ich ja Straßenbahnen, besonders im Sommer. Schwitzende Menschen in viel zu knappen Klamotten auf viel zu engem Raum. Dann heißt es besser Nase rümpfen und etwas angewidert aus dem Fenster schauen. Aber dieser Freitagnachmittag war mein Glückstag. Es wird langsam kühler und nur wenige Leute waren an diesem Tag unterwegs. Also nutzte ich die Fahrtzeit, mir die Menschen um mich herum genauer anzuschauen. Ich stellte Vermutungen an, wer sie sind und was sie so tun. Und so wanderte mein Blick von einem zum nächsten. An einem jungen Mann blieb mein Blick hängen. Es war, Ihr ahnt es schon, Steven, den ich schon bei den letzten beiden Begegnungen nicht einschätzen konnte. Ein Typ der mich kalt lässt und zugleich mächtig heiß macht. Ein Typ der mich nicht los lässt und mir immer wieder durch den Kopf geht. Ein Typ der… ach, keine Ahnung! Sollte ich so tun, als hätte ich ihn nicht gesehen oder rüber gehen und mich zu ihm setzten? Sollte ich ihn zum Kaffee einladen und schauen, ob ich eine dritte schöne Nacht herausschlagen kann?

Zweifel bei Seite

Die Gedanken gingen hin und her und dann. Verdammt! Das wäre mein Haltestelle gewesen. Okay, sagte ich mir, das muss ein Zeichen gewesen sein, es doch zu wagen. Besseres hatte ich eh nicht zutun und noch ein Abend mit dem großen SAT.1-Filmfilmfilm musste ich mir nun wirklich nicht antun. So stand ich auf, ging zu ihm rüber und mit jedem Schritt wischte ich meine Zweifel mehr bei Seite. Mit einem freundlichen „Hallo“ begrüßte ich ihn und versuchte in seinen Augen eine Reaktion abzulesen. „Wenn Du heute nichts mehr vor hast, könnten wir etwas unternehmen. Ich würde Dich gern besser kennenlernen. Was meinst Du?“ Als er „Gern.“ antwortete, glaubte ich ein wenig Freude in ihm aufblitzen zu sehen.

An der nächsten Haltestelle in der City stiegen wir aus und spazierten über die große Brücke bis hin zum Stadtpark. Wir quatschten über viele Dinge, ach über Gott und die Welt. Nur unsere ersten beiden Begegnungen sprachen wir nicht an. Nach einem Kaffee im Le Frog spazierten und redeten wir weiter und ich lernte einen faszinierenden Menschen kennen, den ich hinter den Quickies nicht vermutet hatte. Ab und an sahen wir ein verliebtes Paar Hand in Hand an uns vorbei flanieren und ich musste mich dem Drang erwehren, nicht auch seine Hand zu nehmen. Meine letzte ernsthafte Beziehung ist lange her und irgendwie vermisse ich die Zweisamkeit und Zärtlichkeit jenseits des Sexes.

Nicht alles wie immer

Als uns der Gesprächsstoff langsam ausging, war die Dunkelheit lange angebrochen. Der blaue Himmel war einer sternenklaren Nacht gewichen, als wir uns entschieden den schönen Tag im BOYS´n`BEATS ausklingen zu lassen. Dort angekommen war eigentlich alles wie immer. Die selben Leute feierten zur selben Musik und tranken dieselben Getränke. Nur ich war trunken von diesem schönen Nachmittag. Ich fühlte mich anders, leichter, ein wenig verliebt vielleicht. Und plötzlich war er verschwunden, ohne ein Wort, ohne „Auf Wiedersehen!“, wieder ohne die Telefonnummern zu tauschen und natürlich ohne Sex! Das hätte ich nach diesem Tag nicht erwartet. Ich will ihn wieder sehen. Ich will wieder mit im Sex. Und mehr.

Euer Andi

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