Tot zu sein ist komisch

Kultur ist wichtig. Aber muss man dabei auch mit den schlimmen Dingen des Lebens konfrontiert werden bzw. überhaupt mit dem Leben? Zur Erklärung für Euch. Ich sitze mit Freunden im Theater. Ein schwuler Männerverein führt auf. Die Handlung eher flach und wirr. Es wird viel gesungen, ganze 21 Lieder an der Zahl, leider auch ähnlich langweilig wie die Handlung. Bis auf „Tot zu sein ist komisch“. Das Lied kommt mir bekannt vor. Ja, ich hab’s, aus dem Musical „Tanz der Vampire“! Diesmal wirkt es auf mich jedoch ganz besonders. Liegt es vielleicht an mir, am Text oder am Datum? Es ist der 1. Dezember, Welt-AIDS-Tag. Ich gehe in mich und fange an über den Text nachzudenken. Nein ich denke nicht nur, ich grübele. Kann man das Wort „komisch“ zusammen in einem Satz mit Tod verwenden?

Ich weiß was ich tue

Man kann! Denn es gibt Situationen, in denen man tot ist bzw. echt so behandelt wird. Wenn ich daran denke, dass HIV und AIDS zwar keine Tabuthemen mehr sind, dennoch erkrankte Menschen oft noch ins Aus geschossen und durch die Gesellschaft gemieden werden, vielleicht schon als tot erklärt werden, ist das schon komisch. Bleiben wir beim Thema AIDS. Es wird mal mehr und mal weniger Aufklärung betrieben. Denken wir nur an die witzigen Werbespots à la „Helga, was kosten die Kondome?“ Die Zahlen beweisen, sie haben ihren Zweck nicht verfehlt, denn 20 Prozent weniger Neuansteckungen sind gegenüber von vor zehn Jahren zu verzeichnen. Da lohnen sich auch Kampagnen mit bunten Bildchen und dem Slogan „Ich weiß was ich tue“.

Ich bin wer ich bin

Man kann mit HIV heutzutage leben und alt werden, das ist klar. Doch was bedeutet es denn eigentlich genau für mich und meine Mitmenschen? Wem kann man von seiner Krankheit erzählen? Sicher werden viele denken: „Selbst schuld, wenn man ohne Gummi poppt“. Doch vielleicht war dem gar nicht so. Es muss nicht immer durch ungeschützten Geschlechtsverkehr zu Ansteckung kommen. Und das ist das, was wir ändern müssen. Der Mensch ist zwar krank, aber er verändert sich doch nicht. Das einzige was sich ändert sind seine Mitmenschen. Denkt mal drüber nach, wie Ihr reagieren würdet, wenn Euch ein Freund oder eine Freundin von seiner oder ihrer HIV-Infektion erzählen würde.

Mich interessiert das Thema brennend und deshalb habe ich beschlossen, mich mal richtig „aufklären“ zu lassen. Und das in meinem Lieblingsclub. Im BOYS´n`BEATS findet am Donnerstag, 24. Januar, eine interessante Diskussionsrunde statt. Unter dem Motto „Ich bin wer ich bin-leben mit HIV“ könnt Ihr Euch mit Experten und Betroffenen ausgiebig über das Thema unterhalten. Es wird sicher interessant und auf jeden Fall spannender als mein Theaterabend. Denn es wird nicht gesungen.

Euer Micha

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